Jeden Tag bricht eine Flut über mich herein: eine Informationsflut. Newsticker, Facebook und Twitter halten mich vermeintlich immer auf dem aktuellsten Stand der Berichterstattung. Ein kritischer Kommentar hier, eine satirische Glosse da, ein neutraler Forschungsbericht dort. Aber welcher Autor steht denn nun hinter welcher Newsfeed-Neuigkeit?
Welcher Autor da gerade zwitscherte, sprach oder schrieb – das erkannten vermutlich auch Sie deutlich leichter, als der Informationsstrom noch überschaubarer war. Als wir hauptsächlich durch Zeitung, TV und Radio unsere Nachrichten konsumierten. Heute aber sind wir einem stetigen Fluss an Streams und Informationskompilationen ausgesetzt. Aus dieser Menge noch herauszufiltern, welchem Autor Sie eigentlich vertrauen können und wer nun belegbare Tatsachen verbreitet oder einfach nur Fake News streut, wird immer schwieriger. Nicht ohne Grund sagte Jonathan Swift bereits Anfang des 18. Jahrhunderts: „Falsehood flies, and the truth comes limping after it […]“

Lassen Sie uns deshalb zusammen einmal ganz bewusst schauen, wer da im Netz eigentlich nach Aufmerksamkeit kräht.

 

Wer am lautesten schreit

Zunächst ist es in der digitalen Welt natürlich jedem erlaubt, „Autor“ zu werden. Ob ehrliche Haut oder Lügner, ob Donald Trump oder der Dalai Lama, erstmal darf und kann jeder seine Fassung der Wahrheit in die Welt hinaussenden. Diese Meinungsfreiheit finde ich per se nicht schlecht, befürworte sie sogar! Doch die Digitalisierung fügt dem Ganzen eine neue Komponente hinzu: Sie gibt allen Autoren zumindest theoretisch ein weitreichendes Sprachrohr an die Hand. Immer genauere Filtertechnologien und selbstlernende Algorithmen machen manche Stimmen lauter – und zwar einzig nur deswegen, weil sie zigtausend, manchmal sogar Millionen an Followern gesammelt haben. Sie können nun vor großem Publikum „Fakten“ verbreiten – völlig unabhängig davon, ob sie diese auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft haben oder nicht.

Wir alle bleiben am Ende des Tages auf einer Fülle konkurrierender Weltsichten sitzen, deren Gewichtung schwerfällt. Zwischen dreierlei Newstickern, fünf unabhängigen Blogs und zehn Nachrichtensendungen stellt sich für Sie die Frage: Wer hat diese „Wahrheit“ eigentlich losgeschickt und welche Autorität hat er in der betreffenden Sache?

Back to the roots

Vielen Digital Natives kommt diese Frage erschreckenderweise nicht mal mehr in den Sinn. Es ist ja auch zu leicht, zwischen verschiedensten Meinungen, Katzenvideos und Politikberichterstattung die Frage zu vergessen: Welcher Autor hat exakt diese Nachricht oder exakt diese Meinung eigentlich losgeschickt? Unter diesem Gesichtspunkt hat das Internet fast etwas von mündlicher Kommunikation. Jemand erzählt etwas, der nächste trägt es weiter, der dritte fügt ein bisschen was hinzu … und am Ende weiß niemand mehr, wer den Ursprungsgedanken in die Welt entlassen hat. Daraus entwickelt sich im Netz eine Diktatur der Meinungen. Der einzelne Autor, der das Gesagte erklären könnte, fehlt. Und mit auch die Verantwortung für die Worte, die wie Hunde, die von der Kette gelassen wurden, ihr unkritisches Unwesen treiben.
Anstatt sich nun auf eine langwierige Suche zu begeben, um den ersten Autor jedes trendigen Hashtags und jeder kurzlebigen Schlagzeile ausfindig zu machen, schlage ich für mich immer öfter einen anderen Weg ein: Ich lese ein Buch. Sounds like old school? Indeed ..

 

News-Entzug mal anders

Wenn Sie nun denken: „Der Krusche ist ja verrückt, ich habe ja schon gar keine Bücher mehr im Regal!“, dann seien Sie beruhigt. Aus meinem Mund werden Sie nie hören: „Kaufen Sie wieder mehr Bücher! Früher war alles besser!“ Social Media hat ihre absolute Daseinsberechtigung und viele Vorteile. Auch ich empfange News oft und gerne kompakt auf meinem Smartphone. Das geht schnell und ist mundgerecht aufgearbeitet für kurze Wartezeiten in der Bäckerschlange oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Aber immer wenn ich merke, dass das hektische Wischen auf dem Bildschirm, das unkoordinierte Springen von einer Info zur nächsten überhandnimmt, lege ich das Endgerät der Wahl bewusst zur Seite. Auch Ihnen kann ich nur empfehlen, dann zu einer Zeitung oder einem Buch zu greifen und sich mal wieder in der alten Kulturtechnik des Lesens zu üben.
Lesen erfordert eine ganz andere Form der Aufmerksamkeit und Konzentration. Wenn ich mich hinsetze und mich in ein Buch vertiefe, folge ich einem Autor in einen in sich schlüssigen Gedankengang. Ich bleibe dran, und kann mich so auch mit Inhalten auseinandersetzen, die über den Informationsgehalt von 140 Zeichen hinausgehen. Ich hinterfrage, setze mich auseinander, bewerte die Meinung des Autors. Wann haben Sie das in den üblichen Social Media Kanälen zuletzt getan?

 

Adieu, Fake News

Auf diese Weise können Sie sich übrigens auch selbst darin schulen, neben dem Inhalt auch einen Blick auf den Autor oder die Autorin zu werfen – und diese Tugend im Anschluss auf die Social Media und Newsticker übertragen. Ein zusätzliches Plus: Durch die Rückbesinnung auf die Qualität des Autors erkennen Sie Fake News auch ganz ohne dass Mr. Trump oder ein Herr Edward Snowden Sie darauf hinweisen müssen.